Diese Ausstellung auf dem Matthäikirchhof verdeutlicht mit farbigen Bodenmarkierungen die mittelalterliche Entwicklung: Sie zeigt den Wandel von der hölzernen Burg des 10./11. Jahrhunderts mit Wall und Graben (grün) zu einer steinernen Burg im 12./13. Jahrhundert (gelb). Nach deren Abbruch errichteten die Franziskaner hier ein Kloster. Die Klosterkirche blieb in Teilen trotz Kriegszerstörungen bis zu ihrer Beseitigung 1948 erhalten (blau). Die im 15./16. Jahrhundert neu errichteten Klausurgebäude (orange) wurden nach der Reformation zu Wohnhäusern umgebaut.

Die Ersterwähnung Leipzigs als urbs Libzi im Jahr 1015 – Zeichnung Rainer Ilg
Die Ersterwähnung Leipzigs als urbs Libzi im Jahr 1015

Im siebten Buch seiner berühmten Chronik erwähnt der Merseburger Bischof Thietmar erstmals am 20. Dezember 1015 die urbs Libzi – als Sterbeort des Meißner Bischofs Eid – und benennt damit den Ursprung der Stadt Leipzig. Dank der archäologischen Grabungen in den 1950er Jahren unter Leitung von Herbert Küas wissen wir, wo sich diese Anlage befunden hat: auf dem Matthäikirchhof. Unter den Fundamenten des Franziskanerklosters tauchten Reste eines um 1100 eingeebneten Befestigungswalles und eines verfüllten Grabens auf. Mit urbs Libzi bezeichnete Thietmar aber nicht nur die hier lokalisierte hölzerne Burg, sondern ein 4 ha großes Areal, welches bereits einen frühstädtischen Charakter aufwies. Die Burg auf dem Matthäikirchhof muss als Zentrum dieser Anlage verstanden werden. Sie entstand Mitte des 10. Jahrhunderts und war als Hauptort Teil des von den ottonischen Kaisern zur militärischen Sicherung und administrativen Verwaltung der neu eroberten slawischen Gebiete zwischen Saale und Elbe angelegten Burgwardsystems.

Die urbs Libzi nach dem Umbau zur Zwingburg um 1216/17

In den 200 Jahren zwischen der Ersterwähnung als ottonische Gründung und der zweiten Erwähnung in den Pegauer Annalen als Burg der Markgrafen von Meißen haben erhebliche Veränderungen stattgefunden. Aus der hölzernen Anlage war seit Ende des 11. Jahrhunderts eine steinerne Burg geworden. Die im Schutz der Burg zwischen 1156 und 1170 entstandene Siedlung hatte das Stadtrecht erhalten. Nachdem es um 1215 kurzzeitig gelungen war, sich der Herrschaft des Meißner Markgrafen Dietrich zu entziehen, konnte dieser 1216 die Stadt erneut unterwerfen. Er ließ nicht nur die Stadtmauer niederreißen, sondern auch drei Befestigungen errichten. Durch den Umbau der vorhandenen Anlage entstand die spätere Zwingburg, mit einem gewaltigen Bergfried als zentralem Bauwerk. Aufgrund der imposanten Maße seiner Fundamente mit einem Durchmesser von 12,50 Metern und einer Mauerstärke von 3,40 Metern könnte er, wie Vergleichsbeispiele zeigen, eine Höhe von 20 bis 30 Metern erreicht haben.

Die Klosterkirche St. Franziskus im 14. Jahrhundert

Die Zwingburg des Markgrafen Dietrich wurde bereits 1224 unter seinem Nachfolger Markgraf Heinrich des Erlauchten aufgegeben. Mit der Überlieferung von einer „Schleifung“ der Burg ist das Niederlegen des als Machtsymbol verstandenen Bergfriedes zu verstehen. Der zentrale Teil der ehemaligen urbs Libzi mit den verbliebenen Gebäuden übergab der Markgraf dem Bettelorden der Franziskaner zur Errichtung eines Klosters. Seit den 60/70er Jahren des 13. Jahrhunderts begannen diese die ehemalige Burgkapelle zu einem bescheidenen spätromanischen bzw. frühgotischen Saalbau zu erweitern. An der Nordseite der Klosterkirche befand sich die sehr wahrscheinlich mit einem Kreuzgang versehene Klausur. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurden dem Ursprungsbau der Kirche eine Südkapelle und ein gotischer Langchor angefügt.

Das umgebaute Franziskanerkloster im 16. Jahrhundert

Da im letzten Viertel des 15. Jahrhunderts eine Vergrößerung der Kirche an deren Nordseite vorgesehen war, mussten die Konventsgebäude auf die Südseite verlegt werden. Die Franziskaner erwarben den bis dahin außerhalb des Klosters befindlichen Burghof und nutzten für den Neubau vorhandene Mauern und Fundamente der alten Burg. Die neue Klausur bestand aus zweigeschossigen Flügeln, die zusammen mit der Südkapelle einen nahezu quadratischen Kreuzgang umschlossen. Der nördliche Flügel des Kreuzganges war direkt an die Außenmauer der Kirche angefügt. 1488 begann man mit dem Neubau des mit spitzbogigen Fenstern und Strebepfeilern für das Gewölbe versehenen nördlichen Kirchenschiffes. Es schloss mit seinen Giebelwänden direkt an den Altbau an und wiederholte spiegelbildlich dessen Dimensionen. Mit der Weihe der nun zweischiffigen Hallenkirche im Jahr 1503 war der Umbau des Franziskanerkloster vollendet.

Impressum
Texte und fachliche Beratung: Mirko Oehlert, Landesamt für Archäologie Sachsen | Petra Schug, Archäologische Gesellschaft in Sachsen e.V. | Dr. Alberto Schwarz, Denkmalpfleger im Landesamt für Denkmalpflege a.D. | Dr. Thomas Westphalen, Sächs. Heimatschutz e.V.
Zeichnerische Umsetzung: Rainer Ilg, Architekt
Produktionsleitung: Falk Elstermann, Kulturstiftung Leipzig

Die Freiluftausstellung urbs Libzi ans Licht ist ein Kooperationsprojekt von Kulturstiftung Leipzig und Landesamt für Archäologie Sachsen.