Nikolaikirchhof, 9. Oktober 1989, der Tag der entscheidenden Montagsdemonstration

Nikolaikirchhof, 9. Oktober 1989, der Tag der entscheidenden Montagsdemonstration

Geschichte der Stiftung

1990–1994 Gründung und Intentionen

Die Alte Nikolaischule – Ein Haus der Kultur

Die Kulturstiftung Leipzig ist ein Kind der friedlichen Revolution des Herbstes 1989. Am 26. Januar 1990 trafen sich 14 Intellektuelle, Künstler, Wissenschaftler und Geistliche im damaligen Künstlercafé im historischen „Coffebaum“ in der Kleinen Fleischergasse, in dem auch im ersten Stiftungsjahr noch Ratssitzungen abgehalten wurden. Anlass war das Vorhaben, eine Leipziger „Stiftung für Denkmalschutz und Umweltpflege“ zu gründen. Angesichts des ruinösen Zustandes der Leipziger Bausubstanz und der Belastungen der Umwelt, die am Ende der DDR-Zeit unerträgliche Ausmaße angenommen hatten, lagen die Stiftungsziele auf der Hand. Die Männer der ersten Stunde waren Heinz-Jürgen Böhme, Gunter Böhnke, Günter Hanisch, Werner Heiduczek, Horst Hennig, Wolfgang Hocquél, Bernd-Lutz Lange, Friedrich Magirius, Kurt Masur, Wolfgang Mattheuer, Kurt Nowak, Hans-Joachim Rotzsch, Manfred Unger und Bernd Weinkauf. In der folgenden Zeit galt es, die Grundlagen der Stiftungsarbeit und -organisation zu entwickeln und Bemühungen einzuleiten, um die finanzielle Ausstattung und damit die Arbeitsfähigkeit der Stiftung zu sichern. Es konnten zu Beginn für die Stiftungsanliegen 15 Privatpersonen, Vereine und Unternehmen gewonnen werden, die mit Spenden von ca. 27000 DM den Start ermöglichten. Ganz entscheidend war ein Benefizkonzert des Gewandhausorchesters in Frankfurt am Main unter Leitung und initiiert von Prof. Kurt Masur, das eine Aufstockung des Stiftungskapitals um 500000 DM erbrachte. Ebenfalls im Jahre 1990 wurde in Frankfurt am Main gemeinsam mit dem International Bankers Forum e.V. eine kulturelle Tombola auf dem Internationalen Frankfurter Bankenball organisiert, deren Erlös der Kulturstiftung zugute kam. Im Jahre 1993 wurden die Leipziger Kulturtage in Köln unter der Schirmherrschaft des damaligen Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen Johannes Rau mit einem weiteren von Prof. Kurt Masur initiierten Benefizkonzert des Gewandhausorchesters eröffnet, und es fanden zahlreiche Kulturevents statt, unter anderem ein Auftritt des Thomanerchors, Theateraufführungen, Präsentationen von Dokumentarfilmen sowie Beiträge aus den Bereichen Literatur, bildende Kunst, Denkmalpflege und Umweltschutz. Bereits im Oktober 1989 hatten analog dazu Kulturtage des Landes NRW in Leipzig stattgefunden.

Die Kulturstiftung Leipzig wurde am 18. Januar 1991 mit der Nr. 1 im Stiftungsverzeichnis des Regierungspräsidiums Leipzig eingetragen. Zuvor gab es eine Übergangsgenehmigung des Rates des Bezirkes Leipzig. In der zweiten Hälfte des Jahres 1990 wurde der erste Stiftungsrat gewählt. Er setzte sich aus Persönlichkeiten zusammen, die zum großen Teil auch Gründungsmitglieder waren. Der Stiftungsrat wählte aus seinen Reihen sowohl den Präsidenten als auch den Vorstand.

Die Alte Nikolaischule vor der Sanierung 1991–1994

Die Alte Nikolaischule vor der Sanierung 1991–1994

Kurt Masur (†)
Friedrich Magirius
Wolfgang Hoquél
Bernd Weinkauf
Heinz-Jürgen Böhme
Gunter Böhnke
Günter Hanisch
Werner Heiduczek
Horst Hennig
Bernd-Lutz Lange
Wolfgang Mattheuer (†)
Kurt Nowak (†)
Hans-Joachim Rotzsch (†)
Manfred Unger (†)
Kurt Masur (†)
Die Gründungsväter der Kulturstiftung Leipzig

Der erste Stiftungsrat:
Präsident Prof. Dr. Kurt Masur, Gewandhauskapellmeister
Gunter Böhnke, Kabarettist, Übersetzer
Günter Hanisch, Propst an St. Trinitatis
Werner Heiduczek, Schriftsteller
Bernd-Lutz Lange, Kabarettist, Autor
Prof. Dr. Karl Bönninger, Rechtsanwalt
Niels Gormsen, Stadtrat für Stadtentwicklung und Raumplanung
Jörg Hannes, Stadtrat für Umweltschutz und Sport
Dr. Kristina Kasek, Apothekerin und wissenschaftliche Assistentin
Prof. Dr. Kurt Nowak, Theologe, Schriftsteller
Prof. Dr. Manfred Unger, Historiker, Archivdirektor
Prof. Dr. Christian Tauchnitz, Internist, Chefarzt

Der erste Stiftungsvorstand:
Vorsitzender Friedrich Magirius, Superintendent an St. Nikolai
Heinz-Jürgen Böhme, Maler, Grafiker
Dr. Wolfgang Hocquél, Denkmalpfleger
Bernd Weinkauf, Schriftsteller und Redakteur der „Leipziger Blätter“
Dr. Bernd Dammert, Rechtsanwalt

Der erste Stiftungsrat und der erste Stiftungsvorstand waren bis zur Wahl 1995 tätig und realisierten mit der Sanierung und Modernisierung der Alten Nikolaischule eines der ersten und wichtigsten Projekte der Stiftung. Die mit der Gründung beschlossene Satzung ist noch heute gültig. Am 1. Juni 1990 wurde Birgit Damrau als erste Geschäftsführerin bestellt.

Architekturpteis Beton 1995

Archtekturpreis Beton 1995

Bereits am 15. März 1990 hatte die Stiftung einen Antrag an den Runden Tisch der Stadt Leipzig gestellt, ihr einige wertvolle Baudenkmale zur Sanierung zu überlassen, darunter neben der Alten Nikolaischule auch das Alte Kloster Klostergasse 5 und das Haus Zum Grönländer Petersstraße 21–24. Am 28. März wurde ihr die Alte Nikolaischule „zur Sanierung und Nutzung des Gebäudes für kulturelle Zwecke“ zugesprochen. Am 25. April stimmte der Runde Tisch dem Antrag der Kulturstiftung zu, ihr die Gebäude, die sie instand setzen will, für 99 Jahre unter Wahrung des städtischen -Eigentums zu überlassen. Am 10. Oktober 1990 bestätigte die Stadtverordnetenversammlung die Vergabe vom 28. März und beauflagte die Kulturstiftung sowohl mit der eigenständigen Klärung aller nachbarschaftlichen Belange bei den Baumaßnahmen mit dem ebenfalls von der Stadtverordnetenversammlung bestätigten neuen Bauherrn für die Nikolaistraße 6–10 als auch der eigenständigen Klärung aller Fragen des Grundstückserwerbs. Grundlage dieser Beschlussfassungen war die Unterzeichnung eines Vertrags über die Zusammenarbeit der Städte Frankfurt am Main und Leipzig am 3. Oktober 1990. Neben anderen Projekten stellte die Stadt Frankfurt am Main darin der Kulturstiftung Leipzig für den „Wiederaufbau der Alten Nikolaischule“ 8,9 Mio. DM zur Verfügung. Über 20 Jahre leer stehend und baupolizeilich gesperrt befand sich die Alte Nikolaischule in einem ruinösen Zustand. In den Jahren 1991–1994 konnte das wertvolle Baudenkmal vor dem Verfall gerettet werden, wurde eine -kulturelle öffentliche Nutzung geplant und wurde schließlich das Gebäude nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten beispielhaft saniert. Dazu heißt es in der Chronik der Stadt Leipzig 1990–1995: „Es soll der Stadt nun als Kulturzentrum dienen.“ So konnte schließlich der Frankfurter Oberbürgermeister Andreas von Schoeler am 10. September 1994 anläßlich der Einweihung dieses Projekt beider Städte als ein Zeichen gelungener partnerschaftlicher Beziehungen und der Wiederaufnahme gemeinsamer kultureller Verbindungen betrachten, das auch für spätere Generationen noch „Signalwirkung“ entfalten könne.
Insgesamt wurde in der Alten Nikolaischule durch die Kulturstiftung eine Investition in Höhe von ca. 13 Mio. DM öffentlicher Mittel realisiert, und das Haus wird seitdem als ein kulturelles Zentrum im Herzen der Stadt vielfältig öffentlich genutzt. Entscheidende Voraussetzungen waren neben der großzügigen Spende der Stadt Frankfurt am Main Denkmalfördermittel des Bundes, des Freistaates Sachsen sowie Eigenmittel der Kulturstiftung Leipzig. Die fachliche Begleitung des Projekts erfolgte durch die Frankfurter Aufbau AG bezüglich der Bauausführung und Bauüberwachung. Hier ist insbesondere Herrn Wolfgang Wolff, Vorstandsmitglied der Frankfurter Aufbau AG, herzlich zu danken. Die Verantwortung als Bauherrschaft hatte die Kulturstiftung Leipzig. In der Kategorie „Umnutzung und Ergänzung historischer Bauten“ wurden 1995 neben der Kulturstiftung die Architektengemeinschaft Storch & Ehlers und der Leipziger Architekt Rüdiger Sudau für die Alte Nikolaischule mit dem Architekturpreis der Architektenkammer Sachsen geehrt. Im gleichen Jahr erhielten die Kulturstiftung Leipzig, die Architekten sowie das Büro für die Bauüberwachung Harms + Partner den Architekturpreis Beton 1995 für die Ausführung des mit Glas überdachten Lichthofs. Es folgte 1997 eine Anerkennung im Rahmen der Verleihung des Deutschen Architekturpreises.

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