Die Zeit der »Dreilindenoper« (1944 – 1960)
Mittwoch, der 25. März 2026 | 18 Uhr | Richard-Wagner-Aula der Alten Nikolaischule
Abbildung in der Übersicht: Hendrik Reichardt | Foto: Julia Merz
Als einziges der alten Leipziger Theater überstand das »Varieté Drei Linden« – die heutige Musikalische Komödie – die im Zweiten Weltkrieg erfolgten alliierten Bombardements auf Leipzig. Zwischen der Zerstörung des alten Leipziger Opernhauses (»Neues Theater«) am 4. Dezember 1943 und der Eröffnung des neuen Opernhauses am 8. Oktober 1960 musste die Leipziger Oper daher mit diesem Varietétheater im Westen Leipzigs Vorlieb nehmen, was große Folgen für das Theatergebäude selbst, aber auch für das Ensemble und den Spielplan hatte. Ab Februar 1944 wurde dort die Opernspielzeit 1943/44 unter Vorgaukelung größtmöglicher Normalität, aber in Wahrheit unter schwierigsten Bedingungen, fortgesetzt. Um von der Tatsache, dass die Oper der „Reichsmessestadt“ Leipzig letztlich wegen der gescheiterten großmachtsüchtigen NS-Politik auf einer Unterhaltungsbühne spielen musste, abzulenken, kreierten die NS-Kulturverantwortlichen in Analogie zu ähnlichen ihrer „Haus“-Umbenennungen für das bisherige Varieté den Begriff „Haus Dreilinden“. Nach Kriegende unter sowjetischer Administration am 29. Juli 1945 wiedereröffnet, wurde die Spielstätte „Dreilindenoper“, dann schlicht Opernhaus genannt. Neun Wagner-Produktionen wurden hier bis 1960 herausgebracht, darunter 2 Teile des „Rings“, außerdem neben der Pflege eines großen Opern- und Ballettrepertoires zahlreiche Ur und Erstaufführungen. Der Vortrag bietet einen Überblick über ein spannendes Kapitel Leipziger Theatergeschichte, in dem der Ausnahmezustand die Regel war, aber in der Theater für die Leipziger Bevölkerung eine Relevanz hatte, die bis heute staunen lässt.
Referent: Hendrik Reichardt ist Musiker im Orchester der Musikalischen Komödie, im Vorstand der Freunde und Förderer dieses Theaters und Mitglied des Richard-Wagner-Verbands Leipzig.
Eintritt frei | Vortrag: Hendrik Reichardt
Eine Veranstaltung des Richard-Wagner-Verbandes Leipzig in Kooperation mit der Kulturstiftung Leipzig
