
Offener Brief zur agra-Querung
Endlich Alternativen zum Ersatz der agra-Brücke planen
Die in den Siebzigerjahren errichtete Brücke zerschneidet und verlärmt den denkmalgeschützten agra-Park, ein wichtiges Naherholungsgebiet zwischen den Städten Leipzig und Markkleeberg. Im ausgehenden 19. Jahrhundert von dem Verleger Paul Herfurth nach dem Vorbild englischer Landschaftsgärten angelegt, nach dem Zweiten Weltkrieg als Ausstellungsgelände für Gartenbau und Landwirtschaft weiterentwickelt, hat das Areal eine große kulturhistorische Bedeutung für die Region.
Die Errichtung der agra-Brücke im Zuge des Braunkohle-Tagebaus war ein Akt des Raubbaus an Natur und Kulturlandschaft, von dem sich der Park und die angrenzenden Gebiete in Markkleeberg und im südlichen Leipzig nie erholen konnten. Der Beschluss der Sächsischen Staatsregierung, die aktuell durch Schwerlaststützen gesicherte Brücke baugleich wiederzuerrichten, ist deshalb inakzeptabel. Er würde einen von der DDR hinterlassenen eklatanten städtebaulichen Missstand für die nächsten Generationen zementieren und zugleich das Vertrauen der Politik bei Bürgerinnen und Bürgern verspielen, die sich jahrzehntelang ehrenamtlich für die Zukunft des agra-Parks eingesetzt haben.
Schon seit 2008 wird die Tieferlegung der Bundesstraße gefordert, damit der Park wieder zusammenwachsen kann und vom permanenten Verkehrslärm befreit wird. In der Folge haben Land und Bund wiederholt Unterstützung für diese Lösung zugesichert. Darauf haben die betroffenen Bürgerinnen und Bürger vertraut. Die Landesregierung hat es aber versäumt, die zugesagte Planung einer Tunnellösung voranzutreiben, obwohl der marode Zustand der Brücke seit Langem bekannt ist.
Die Konsequenz aus diesem politischen Versagen darf nicht darin bestehen, im wiedervereinten Deutschland einen großen Fehler der DDR zu wiederholen. Mit einer Wiedererrichtung der Brücke würde eine einmalige Zukunftschance für die Entwicklung des agra-Parks und angrenzender Gebiete verspielt.
Wir, die unterzeichnenden Gebietskörperschaften, Fachverbände und Initiativen fordern deshalb, umgehend Pläne für eine Tieferlegung der Trasse im Tunnel oder in einem teilweise überdeckelten Trog zu entwickeln. Erst wenn echte Alternativen zur Ersatz-Brücke auf dem Tisch liegen, können die Entscheidungsträger verantwortungsvoll über die beste Lösung für den agra-Park und den Verkehr entscheiden. Nur so kann eine angemessene Lösung gefunden werden, die der Bedeutung des Ortes und der baukulturellen Verantwortung der Verkehrsplanung gerecht wird.
