3 Tage mit jeweils 3 Lesungen
19./20./21. März 2026 | 18./19.30/21.00 Uhr | Richard-Wagner-Aula der Alten Nikolaischule
Die Alte Nikolaischule ist wieder einer der besonderen Orte dieses einmaligen Lesefestes. Unser Programm:
19.03.2026 | 18:00 Uhr
Thomas Hettche: Liebe (Kiepenheuer & Witsch)
Thomas Hettche taucht ein in das größte aller Gefühle. Zärtlich und voller Leidenschaft erzählt er von einer späten und umso unbedingteren Liebe. Sein neuer Roman nähert sich ihrem Wesen, ihrem Wunder und ihrem Abgrund.
Max stellt künstliche Augen her. Er ist Okularist. In seiner Praxis, über der Flamme des Bunsenbrenners, formt er feine Glaskugeln, versieht sie mit farbigen Äderchen, Iris und Pupille. Max weiß von der stillen Sprache der Blicke. An den Blitzschlag der Liebe aber glaubt er mit Anfang sechzig nicht mehr. Bis er eines Sommerabends Anna begegnet und ihn die Gefühle in ungekannter Wucht überwältigen.
Anna geht es genauso, doch sie ist verheiratet, und so bleiben den beiden immer nur Tage, das zu leben, was nicht sein darf. Und immer sind da die Erinnerungen, die Träume, die Schatten. Das stürzt Max in Verzweiflung, denn er weiß, er hat seine große Liebe gefunden. Und er ahnt, dass sie ihn auf eine unheimliche Probe stellen wird.
19.03.2026 | 19:30 Uhr
Bodo Kirchhoff: Nahaufnahmen einer Frau, die sich entfernt (Deutscher Taschenbuch Verlag)
Seit fünfzig Jahren sind sie verheiratet. Dann geht er weg, nach Indien. Sie reist ihm nach, besorgt und wütend. Er: Viktor Goll, genannt Vigo, Leiter einer Denkfabrik für Abrüstung. Sie: Terese Weiler, Kinder- und Jugendtherapeutin. Was sie teilen, ist fast nur noch das Gefühl, aus dem andern jeweils das Schlechteste herauszuholen. Sollen sie zusammen alt werden? Die Frage ist plötzlich unausweichlich. Gehen oder bleiben? In Indien weiß Terese, dass sie Vigo verlassen muss. Als er um eine letzte Chance bittet, antwortet sie: »Was du tun kannst, damit ich zurückkomme? Von dir absehen. Einmal im Leben.« Worauf Vigo einen Roman zu schreiben beginnt, erzählt aus der Sicht seiner Frau, ihre ganze gemeinsame Geschichte.
Bodo Kirchhoff legt seine Karten als Autor eines epischen Liebes- und Lebensromans offen: mit der Suggestion, der Beobachtungsgabe und stilistischen Meisterschaft seines Erzählens. »So brillant wie der reife Bodo Kirchhoff können nur wenige über das Wesen des Schmerzes, des Begehrens und der Liebe schreiben.« Christoph Schröder, Der Spiegel
19.03.2026 | 21:00 Uhr
Norbert Gstrein: Im ersten Licht (Hanser)
Zwei Weltkriege, ein Jahrhundert: ein eigenwilliges Leben voller Schönheit, Tragik und Widersprüche. Norbert Gstreins überwältigender neuer Roman
Norbert Gstrein schenkt uns ein ganzes Menschenleben. Dabei ist jedes Leben zerbrechlich in diesem Roman, der mit einem Axthieb beginnt: Adrians Vater macht ihn als Jugendlichen untauglich für den Ersten Weltkrieg, rettet ihn so vielleicht. Der störrische, zärtliche Mensch, der von da an durch über achtzig Lebensjahre hinkt, ist das Wunder dieses Erzählens. Adrian sieht zweimal seine Welt untergehen, hat zweimal mit jungen Männern zu tun, die weniger Glück hatten als er, und erlebt im Alter die unverhoffte Liebesgeschichte eines Mannes, der zu allem erzogen wurde, bloß nicht zum Lieben. Wie leben im Schatten der Kriege und des Tötens? Mit einem furchtlosen Blick in die Vergangenheit stellt sich »Im ersten Licht« dieser großen Frage der Gegenwart.
20.03.2026 | 18:00 Uhr
Philipp Cavert: Harry Meyen. Die Biografie (Merlin)
Die erste große Biografie über das bewegte Leben des Schauspielers und Regisseurs. Er war Regisseur, Schauspieler, Dandy – und der erste Ehemann an Romy Schneiders Seite. Harry Meyens Lebensgeschichte ist ein schillerndes, tragisches Kapitel deutscher Theater- und Zeitgeschichte. Diese erste große Biografie führt tief hinein in ein bewegtes Leben zwischen Ruhm, Schmerz und Selbstzerstörung.
In Erinnerung geblieben ist er vielen als „Sissis Ex-Mann“. Doch Harry Meyen (1924–1979) war weit mehr: einer der prägenden Theatermacher der deutschen Nachkriegszeit, ein Regisseur mit Gespür für Inszenierung – auf der Bühne wie im Leben. Diese erste umfassende Biografie erzählt den Aufstieg und Niedergang eines außergewöhnlichen Künstlers: vom Hamburger Swing-Jugendlichen Harald Haubenstock, der als sogenannter „Jüdischer Mischling“ ins Konzentrationslager verschleppt wurde, über den gefeierten Regisseur, der die Boulevardbühnen am Kurfürstendamm prägte, bis hin zu den dunklen Hamburger Jahren – überschattet von Tabletten- und Alkoholabhängigkeit, Depression und der Trennung von Romy Schneider.
Meyens Suizid im Jahr 1979 markiert den Beginn einer Familientragödie, die noch Jahrzehnte nachhallt.
Doch dieses Buch geht über die bekannte Romy-Schneider-Erzählung hinaus. Es beleuchtet auch Meyens Rolle als moderner, zeitweise alleinerziehender Vater, seine prägenden Beziehungen, seine Nähe zur mondänen Gesellschaft und seinen Platz in der Theatergeschichte. Interviews mit WeggefährtInnen, seltene Dokumente und Fotografien zeichnen das vielschichtige Porträt eines Mannes, der zwischen Glanz und Elend taumelte – und sich dennoch immer wieder neu erfand.
Ein bewegendes Stück deutscher Kulturgeschichte, das Romy-Schneider-Fans, Theaterliebhaber und historisch Interessierte gleichermaßen begeistern wird.
20.03.2026 | 19:30 Uhr
Matthias Nawrat: Das glückliche Schicksal (Rowohlt)
»Selbst der Himmel über den Gebäuden schien ihr ein ganz anderer zu sein als in Krakau. Der Geruch war anders – eine Art von Parfüm? Die Abgase schienen andere Abgase zu sein.«
Im Jahr 1983 reist die junge polnische Psychologin Wanda Karłowska nach Venedig, um den dort im Exil lebenden Henryk Mrugalski zu seiner Forschung zu befragen. Oder ist es ein Verhör? Zwischen ihnen, scheint es, steht ein Verdacht, und doch ist da eine Verbindung, die über das, was sie heute sind, hinausweist. Ein Spiel zwischen ebenbürtigen Gegnern beginnt. Es führt tief hinein in die jüngere europäische Geschichte und zu Fragen, vor die das Menschsein uns stellt.
Ein bestrickend lebendiger Roman über das Leben und Überleben östlich und westlich des Eisernen Vorhangs.
20.03.2026 | 21:00 Uhr
Catalin Florescu: Matei entdeckt die Freiheit (Rowohlt) FR
Ein kurzer Blick im Bus. Matei erkennt in Bukarest seinen früheren Peiniger aus dem Gefängnis wieder. Es sind die befreiten 1990er-Jahre, alles scheint möglich, sogar Gerechtigkeit …
Der junge Matei wächst auf im pulsierenden Bukarest der 30er-Jahre, doch in der Diktatur verliert seine Familie alles. Und Matei wird wegen politischer Gedichte verurteilt, zur Lagerarbeit im Donaudelta, wo die Natur faszinierend, aber unbarmherzig ist und das Leben hart, mitunter tödlich. Die Menschlichkeit unter den Häftlingen hält ihn am Leben – und auch der Hass. Nach Jahren wird er begnadigt, erfährt Familienglück, doch nie echten Frieden. Als Matei nach dem Fall des Eisernen Vorhangs in der neuen, großen Freiheit den «schönen Pană», einen Verhöroffizier, wiedersieht, will er sich den Geistern der Vergangenheit endlich stellen. Und fasst einen Plan.
Entlang eines Lebens erzählt Catalin Dorian Florescu wendungsreich, in aufwühlenden, poetischen Bildern das Drama des europäischen Ostens, das bis heute anhält. Eine große Reflexion über Glück, Rache, Gerechtigkeit und die Frage: Wann ist der Mensch wirklich frei?
21.03.2026 | 18:00 Uhr
Wilhem Bartsch: Meckels Messerzüge (Wallstein)
Die Meckels gelten als »die Bachs der Medizingeschichte«. Johann Friedrich Meckel der Jüngere (1781 bis 1833), ein Vorreiter von Charles Darwin, ist die Hauptfigur dieses Romans, der von seinem Halbbruder Albrecht August erzählt wird. Beide sind Anatomen und dem ebenfalls detailversessenen Dichtergenie Jean Paul verbunden. 1813 nehmen sie an den Befreiungskriegen teil und sind in eine Mordintrige verwickelt, wegen der sie 1814 nach Neapel entweichen und dort vieler Rätsel Lösung näherkommen.
Albrecht trifft in diesem Roman Lützow und sein Freikorps, den Turnvater Jahn, Theodor Körner, aber auch seine Schicksalsliebe, die »Potsdamer Jeanne d`Arc« Eleonore Prochaska. Es treten weiter auf: E. T. A. Hoffmann und Fouqué, der Maler Ingres, der »Einstein des 19. Jahrhunderts« Georges Cuvier, Joachim Murat, König, Reitermarschall und Schwager Napoleons – und nicht zuletzt Napoleon selbst. Treuer Begleiter des Erzählers ist sein versoffener russischer Gaul Jean Paul.
Grandiose Pläne und die skurrilen Misslichkeiten großer Tatkraft in wirren Zeiten verknäulen sich auf ebenso tragische wie komische Weisen. Virtuos und voller Schalk mischt Wilhelm Bartsch auch Zutaten aus Kriminalgroteske und Gothic Novel, aus Liebes-, Heimat- und Kriegsroman zu einem grandiosen Epos.
21.03.2026 | 19:30 Uhr
Franziska Hauser (FVA)
Irma will raus aus den Rollen, die andere ihr zuschreiben – ein warmherziger, emotionaler und kraftvoller Roman über den Mut zum Neuanfang, kämpferische Mutterschaft und die Suche nach der eigenen Stimme.
Vor ihrer Mutter nach Berlin geflüchtet, strandet die junge Irma vor dem Theater. Dass sie bald schon auf der Bühne steht, hat sie nicht zu hoffen gewagt. Der Alltag am Theater ist weniger glamourös als erwartet, und doch aufregend anders als die alternative Siedlungsgemeinschaft, in der die vaterlose Irma aufgewachsen ist. Da ist die Star-Schauspielerin Blanda, Helene, die Irma bei sich aufnimmt, und der exzentrische Regisseur Taron Capla, der ihr eine wichtige Chance gibt. Irma stolpert durch die Dramen auf und hinter der Bühne, während sie von ihren Erinnerungen eingeholt wird. Die schmerzlichste ist jene an ihre Mutter, ihr warmes Strahlen, ihre kalte Verachtung. Als Irma ihre Rolle so zu sprechen beginnt, wie ihre Mutter sie gesprochen hätte, erntet sie von allen Seiten Applaus. Und doch wird klar: Sie muss aufhören, ihr Leben nur zu spielen, und den Fluch brechen.
Franziska Hauser schreibt über das, was Mütter und Töchter, Freiheit und Abhängigkeit, den Einzelnen und die Gemeinschaft verbindet und abstößt – und über all die schönen und schrecklichen Kleinigkeiten dazwischen. Mit viel Witz und in direktem Ton umarmt sie ihre Figuren und fordert sie heraus, sich zu zeigen. Ein Roman über Wunden, die nie heilen, und Wunder, die trotzdem passieren.
21.03.2026 | 21:00 Uhr
Ulrich Woelk: Hellere Tage (C.H. Beck)
Ulrich Woelk führt seine Heldin durch eine Phase existenzieller Umbrüche und erzählt mit literarischer Eleganz vom Wandel der Werte und der Suche nach Nähe. Sein Roman ist das überzeugende Portrait einer Generation, die fühlt, wie ihre Distanz zur Gegenwart wächst, und ein Gesellschaftsroman, der die aufgeheizte Realität seiner Zeit widerspiegelt – klug und feinfühlig.
Ruth, Professorin für Philosophie an der Humboldt-Universität, lebt in Berlin-Moabit. Ihre Ehe mit Ben ist Vergangenheit, die Beziehung zu seiner Tochter ist zerbrechlich und doch voller Nähe. Ihre Studentinnen und Studenten scheinen von Jahr zu Jahr jünger zu werden, der wachsende Abstand zu ihnen beunruhigt Ruth ebenso wie die Spaltung der Gesellschaft. Dann tun sich auch im Privaten, der sicher geglaubten Vergangenheit, Risse auf: Der Tod ihres Vaters konfrontiert Ruth mit einem Familiengeheimnis, das ihre Identität erschüttert.
Mit feinem Gespür und großer Empathie zeichnet Woelk das Porträt einer Frau, die sich den Fragen ihrer Zeit stellt. Hellere Tage ist ein kluger, berührender Gesellschaftsroman über Generationen, Identität und den Wunsch, uns zugehörig zu fühlen – ein literarischer Spiegel unserer Gegenwart.
Eintritt frei | Reservierungen sind nicht möglich (Zeitiges Kommen sichert gute Plätze)
