Frieder Heinze – PERSONALAUSSTELLUNG

„Großpelsen Nr. 1“ – Bilder, Grafiken, Skulpturen, Objekte

10. Oktober 2023 bis Februar 2024 Lichthof, Alte Nikolaischule

„Als aus dem Bewusstsein gefallener Maler, ein gewesener, grüße ich Leipzig nochmal.
Ich bin ein glücklicher in meinen Tagen und verfüge über ein uferloses nicht gezeigtes Werk.
Es kommt alles zu mir. Mein Museum ist dies in Großpelsen, am Rande der Wege.“  Frieder Heinze

Große Personalausstellung im Lichthof und dem Saalfoyer der Alten Nikolaischule
(Bei Öffnung des Hauses frei zugänglich, Eintritt frei)

„Künstlerische Arbeit, wie Frieder Heinze sie versteht, beruht auf handwerklichen Kenntnissen, Kunst und Handwerk als Partner. Diese Überzeugung ist Teil seiner Lebensphilosophie. Solange die Dinge ihren Nutzen haben können, sollte man sie erhalten und weiterbetreiben, das gilt für die Zusammenarbeit mit Grafikdruckern bei der Handhabung der Lithographie in Chemnitz und Halle oder des Siebdrucks in Markkleeberg, für seine Gestaltung unikater Ofenkacheln im Ofenkeramikwerk in Leisnig, für die Eisenbildgüsse im Sandgussverfahren, geformt und gegossen in Gießereien in Ilsenburg und Leipzig, für seine bildhauerische Bearbeitung ehemaliger Sandsteinpfosten aus Abrisshäusern, für seine Malerei auf abgelegten alten Handtüchern oder Tischdecken aus Leinen, nicht zuletzt für die keramischen Plastiken und Töpferwaren, die aus der Zusammenarbeit mit Claudia Rückert in der gemeinsamen Werkstatt hervorgingen. Den Beginn dieser Vielseitigkeit markieren die frühen Ausbruchsversuche aus der Didaktik der Kunstlehre an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) Anfang der 1980er Jahre. Damals wechselt Frieder Heinze von der Tafelmalerei zu Bildfahnen auf Papier und zu großen bemalten Objekten auch aus Papier, das über Draht gespannt wurde, deren federleichte Materialität die Statik der konventionellen Kunstproduktion im Raum aufbricht. Während die damalige Lehrerschaft an einer ausgeprägten Stilistik feilt und sich in den Inhalten ihrer Bilder auf tradierte Stoffe, Literatur und Metaphorik verlegt, ist mit Frieder Heinze, Günter Firit, Olaf Wegewitz, Günther Huniat, Hans-Hendrik Grimmling, Lutz Dammbeck erstmals eine ganze Gruppe von jungen Künstlern in Leipzig dazu entschlossen, den Anschluss an aktuelle Tendenzen der europäischen Avantgarde herzustellen, vor allem den Ausbruch aus den Echokammern der »Leipziger Schule« zu vollziehen, die Kunst ihrer Generation zu formulieren und auf eigenen Beinen in unerschlossene Regionen zu lenken. Diese Künstler des »Leipziger Herbstsalons« von 1984 demonstrieren den Selbstanspruch einer neuen Künstlergeneration in der DDR, sich über künstlerische Fragen und Tendenzen ohne Scheuklappen, allein mit den Mitteln der Kunst zu messen. Über die Herbstsalon-Ausstellung, die es nur geben konnte, weil sie in Selbstorganisation das Regelwerk der staatlichen Instruktion und Überwachung unterlief, wurde, während sie stattfand, fast nichts, nach 1989 dann allerdings viel geschrieben. Die Gemeinsamkeit der sechs ausstellenden Künstler lag in der künstlerischen Eigenständigkeit jedes Beteiligten und keineswegs in irgendwelchen schulischen Verwandtschaften oder Ähnlichkeiten. Damit räumte der Herbstsalon eine damals übliche Schwelle aus dem Weg, was seinem Konzept noch heute Überzeugungskraft verleiht. Zwar wusste die DDR anschließend ähnliche Aktivitäten praktisch zu verhindern, mental aber wurde der »Leipziger Herbstsalon« zur exemplarischen Erfahrung einer ganzen Künstlergeneration in der DDR; er markiert eine Zäsur.“ Uwe Gellner, Magdeburg

Der Text ist auszugsweise dem Herbstheft der Leipziger Blätter Nr. 83/2023 entnommen. Das von der Kulturstiftung Leipzig herausgegebene Kulturmagazin erscheint zweimal jährlich im Passage-Verlag Leipzig und ist ab sofort im Buchhandel erhältlich.